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Zum Hofe 33 „Wenn wir über Infektionskrankheiten nachdenken, dann liegt in der fortschreitenden Digitalisierung nicht weniger als eine Revolution. Sie ist vergleichbar mit der, die die Er- findung des Mikroskops für die Mikrobiologie brachte.“ Gleich zu Beginn schlägt Dirk Brockmann hoch auf. Grund hat er genug. Der Berliner Komplexitätsforscher lehrt an der Humboldt-Universität, gleichzeitig leitet er am Robert Koch- Institut (RKI) das Projekt „Epidemiologische Modellierung von Infektionskrankheiten“. Das RKI überwacht die deut- sche Volksgesundheit im Auftrag der Bundesregierung. Er- klärtes Ziel ist, Krankheiten, speziell Infektionen, frühzeitig zu erkennen, zu verhüten und zu bekämpfen. Dabei hilft nun die Digitale Epidemiologie, die mit ihren Computersimulationen ähnlich einer Wettervorhersage funk- tioniert. Ähnlich sind auch die Fragestellungen: In welchem Tempo wird sich ein Phänomen ausbreiten? Wann wird die Infektion den nächsten Ort erreicht haben? Wo empfehlen sich heute schon welche Impfungen? Und: Wo lag der Ur- sprungsort des Erregers? Dabei ist klar: Entscheidend für Infektionskrankheiten und ihre Ausbreitung sind unsere Mobilität und die Menge un- serer Kontakte. Klar ist aber auch: Nie war eine Gesellschaft mobiler, nie dynamischer als die heutige. Ein anschauliches Beispiel, wie sehr sich die Übertragungswege beschleunigt haben, liefert die Pest des 14. Jahrhunderts. Von Südeuropa bis nach Skandinavien zog sie eine tödliche Spur der Ver- wüstung, allerdings in einem gemächlichen Tempo: Nur drei bis fünf Kilometer schritt sie pro Tag voran. Anders der Kranke Strukturen? DIGITALE EPIDEMIOLOGIE, ERKLÄRT VON UND MIT PROF. DR. DIRK BROCKMANN Prof. Dr. Dirk Brockmann ist ein Mann mit vielen Interessen: EHEC und Ebola, Tweets und Facebook-Posts, Schweineställe und Bienenstöcke, internationaler Flugverkehr und Laborproben mit multiresistenten Bakterien. Wer oder was auch immer wertvolle Daten liefert, landet im Fokus der Digitalen Epidemiologie und damit in Brockmanns – brandaktuellem – Forschungsfeld. In ihm entstehen Computersimu- lationen, die die Ausbreitung von Infektionserkrankungen vorhersagen. Darüber hat sich „Zum Hofe“ mit dem Physiker und Komplexitätsforscher unterhalten. NACH DER PRAXIS

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