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Zum Hofe 42 In Großbritannien kommt im 19. Jahrhundert ein Pferd auf zehn Ein- wohner, in den USA beträgt das Verhältnis 1:4 und in Australien 1:2. … Man stelle sich vor, was es für das Leben in einer Stadt wie Man- hattan bedeutete, dass dort gleichzeitig 130.000 Pferde arbeiteten. 1 Was mochte der Passant empfinden, der eines Tages den Broadway in New York verstopft fand mit toten Pferden und ineinander ver- keilten Fahrzeugen? 2 Wie roch eine Stadt, auf die, wie auf New York um 1900, die Pferde täglich 1.100 Tonnen Mist und 270.000 Liter Urin niedergehen ließen und aus der jeden Tag 20 Pferdekadaver abtransportiert wurden? 3 … Für die Pferde, die in ihr leben und von ihr verbraucht werden, ist die vom Sturm der Mechanisierung erfasste Stadt des 19. Jahrhun- derts kein gesundes Milieu. Ihre Muskeln, Sehnen und Hufe, ihre Ge- lenke sind der Schwere der Traktionsarbeit, die der städtische PFERDE IN DEUTSCHLAND Vor dem Ersten Weltkrieg lebten 4 Millionen Pferde in Deutschland, das, was zu beden- ken ist, eine sehr viel größere Fläche besaß als heute. 1,5 Millionen Pferde waren es im- merhin noch 1950. Dann setzte der freie Fall ein: Mit nur 250.000 Pferden erreichte Deutschland 1970 seinen historischen Tief- stand. Nach Ulrich Raulff wird die Pferdezahl heute auf „über eine Million geschätzt. Eben- falls über eine Million Männer und Frauen in Deutschland treiben regelmäßig Pferdesport … 300.000 Menschen arbeiten in Deutsch- land in der Pferdewirtschaft.“ NACH DER PRAXIS Es waren die Pferde, die einst unsere Städte antrieben: Oben der zweistöckige Pferdestall eines Berliner Omnibus-Unternehmens (um 1900), unten die New Yorker Feuerwehr (um 1910).
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