QS-Report:
Obst, Gemüse, Kartoffeln | Ausgabe September/2016
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Schon heute entstehen bisher unbekannte Arten und Rassen. Beim
Mehltau an Salat sind wir jetzt bei 32 neuen Typen angelangt. Ei-
nen bedeutenden Anteil an der Entstehung neuer, nicht beherrsch-
barer Arten hat die Resistenzforschung und Züchtung. Resistenzen
werden sehr kurzfristig durchbrochen. Eine ausreichende chemi-
sche Verhinderung neuer Arten und Rassenbildung ist mit dem
eingeschränkten chemischen Wirkstoffspektrum nicht mehr zu
leisten. Zunehmend verändern sich geerntete Produkte in wenigen
Stunden, da ein latenter Pilzbefall vorhanden ist, der dann in der
Schwächephase nach der Ernte ausbricht.“
Was muss getan werden, um die Probleme zu lösen?
Rudolf Behr:
„Wir brauchen eine ehrliche Analyse. Angesichts
der Herausforderung der wachsenden Weltbevölkerung, ver-
bleibt uns nur der Weg des chemischen Pflanzenschutzes, da wir
es dort mit toten, berechenbaren Stoffen zu tun haben. Ein Re-
sistenzmanagement ist nur mit einer ausreichenden Anzahl an
Wirkstoffen möglich. Bekämpfungsmaßnahmen, die auf Resis-
tenzzüchtung jeglicher Zuchtrichtung setzen, werden an der „Wand-
lungsfähigkeit“ in der Natur scheitern. Der großflächige Einsatz von
lebenden Antagonisten wird in der Konsequenz eine nicht steuerbare
Veränderung der Arten und des Naturhaushalts nach sich ziehen.“
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hält die zusätzlichen
Handelsspezifikationen nicht für erforderlich, um die Gesundheit
Revisionen imSystem
Das erwartet Sie im neuen Jahr
Die Ende September stattfindende Sitzung des
Fachbeirats Obst, Gemüse, Kartoffeln steht
ganz im Zeichen der anstehenden Revisionen
2017. Der Fokus liegt auf der Erweiterung des
Geltungsbereichs des Leitfadens Bearbeitung/
Verarbeitung Obst, Gemüse und Kartoffeln so-
wie dem Re-Benchmarking QS-GAP.
Ausbau Leitfaden Bearbeitung/Verarbeitung
Das Interesse an einer Zertifizierung nach dem
QS-Leitfaden Bearbeitung entwickelt sich in
den letzten Monaten in eine neue Richtung.
Besonders Unternehmen, die Verarbeitungs-
prozesse durchführen (z.B. Tiefkühl- und Erhit-
zungsprozesse), sind interessiert. Dieser Trend
soll künftig im QS-Leitfaden Beachtung finden.
Geplant ist daher die Einführung einer neuen
Systemstufe für be- und verar-
beitende Betriebe von Obst, Ge-
müse und Kartoffeln sowie die
Aufnahme der Prozesse Frosten
und Erhitzen in den neuen Leitfa-
den. Erzeugerbetriebe sollen die
Möglichkeit erhalten, sich optio-
nal für den Bereich Be- und Verarbeitung zertifizieren zu lassen. So-
fern be- oder verarbeitete Produkte als QS-Ware vermarktet werden,
soll für Erzeugerbetriebe eine Verpflichtung zur Zertifizierung beste-
hen. Für Filialen des Lebensmitteleinzelhandels ist hingegen geplant,
relevante Anforderungen für die sogenannten Schnibbelküchen in
den stufenspezifischen Leitfaden zu integrieren. Detaillierte Hygie-
nekonzepte sowie umfassende Auflagen zu Temperaturführung und
Haltbarkeit gehören zu den Anforderungen, die für eine QS-Zertifizie-
rung erfüllt werden müssen. Die Umsetzung eines mikrobiologischen
Monitorings zur Gewährleistung mikrobiologischer Unbedenklichkeit
der Produkte ist ebenfalls inhaltlicher Schwerpunkt.
Re-Benchmarking QS-GAP
Der Leitfaden QS-GAP Erzeugung Obst, Gemüse, Kartoffeln wurde
von der Arbeitsgruppe „Weiterentwicklung des Leitfadens QS-GAP“
im Rahmen des Re-Benchmarkings überarbeitet. Ziel war es, die
Prüfsystematik weiterzuentwickeln und die Akzeptanz des Leitfa-
„Bei der Überarbeitung des Leitfadens
haben wir besonderen Wert darauf gelegt,
dass die Anforderungen sowie die Prüfsys-
tematik sowohl für Erzeuger als auch für
Zertifizierungsstellen klar verständlich und
praktikabel sind.“
Dr.ThorstenStrissel
,GemüseringStuttgart,
Teilnehmer der Arbeitsgruppe zur Weiter-
entwicklung des Leitfadens QS-GAP
Rückstandsspezifikationen im deutschen Handel
Zwei Seiten einer Medaille – Fortsetzung von Seite 1
dens über eine praxisgerechte Ausführung
der Anforderungen. Neben der Zusammen-
fassung und Kürzung von Anforderungen
wurden auch neue aufgenommen, z. B. zur
Lagerung von Kraftstoffen und Betriebs-
mitteln und zum Einsatz von Wirtschafts-
düngern tierischen Ursprungs. Der neu
strukturierte QS-GAP Leitfaden durchläuft
momentan das Re-Benchmarking-Verfahren
bei GlobalG.A.P und steht zum Beschluss
in der nächsten Sit-
zung des Fachbei-
rats Obst, Gemüse,
Kartoffeln.
von Verbrauchern ausreichend zu schüt-
zen.
Dr. Britta Michalski,
Leiterin der Fach-
gruppe Rückstände und Analyseverfahren
beim BfR erklärt: „Wir begrüßen Bemühun-
gen, die zu einer Verminderung des Einsat-
zes von Pflanzenschutzmitteln und zu einer
Verminderung von Rückständen auf Le-
bensmitteln beitragen. Dies muss aber mit
Augenmaß geschehen. Wir führen eine ge-
sundheitliche Risikobewertung durch und
leiten sichere Höchstgehalte ab, und zwar
nie höher als nach guter landwirtschaft-
licher Praxis erforderlich. Es gilt das so
genannte ALARA-Prinzip („As Low As Rea-
sonably Achievable“). Deshalb sind aus ge-
sundheitlicher Sicht zusätzliche Anforde-
rungen nicht notwendig. Lebensmittel sind
sicher, wenn sie die gesetzlichen Höchst-
gehalte einhalten. Dies gilt übrigens auch
für Lebensmittel, die Rückstände mehrerer
Wirkstoffe enthalten. 2014 hat das BfR ein
Konzept zur Bewertung gesundheitlicher
Risiken, die sich aus der gleichzeitigen
Exposition gegenüber mehreren Wirkstof-
fen ergeben, entwickelt. Angewendet auf
Überwachungsproben führt es zu keinem
grundlegend anderen Ergebnis als die Ein-
zelstoffbewertung. Wir sehen aber die Ge-
fahr, dass zusätzliche Anforderungen des
Lebensmitteleinzelhandels unerwünschte
Folgen für den Umgang mit Pflanzenschutz-
mitteln in der Landwirtschaft haben kön-
nen. Der bewusste Ansatz, gesundheitlich
unbedenkliche Höchstgehalte zu unter-
schreiten und die Zahl von Wirkstoffen im
Erntegut zu begrenzen, kann zum vermehr-
ten Auftreten von Schaderregern oder zur
Resistenzbildung führen.“ Herausforde-
rung für die Branche ist es, Lösungswege
zu finden, die zu einer Verbesserung — im
Optimum für beide Seiten — führen.
„Im erweiterten Leitfaden wird Lebensmit-
telsicherheit durch Einhaltung von Hygie-
neregeln und mikrobiologischen Standards
groß geschrieben!“
Regina Zschaler,
Expertin für Mikrobiologie




