Avocado – schwierige fettreiche Matrix mit erhöhtem analytischem Anspruch
Das häufig eingesetzte QuEChERS-Verfahren wurde ursprünglich für wasserreiche Matrices wie Apfel oder Tomate entwickelt. Bei Avocado werden jedoch erhebliche Mengen an Lipiden und weiteren Matrixbestandteilen mitextrahiert. Diese können die Extraktionsausbeute, die Wiederfindungsraten sowie die Quantifizierung der Analyten beeinflussen. Darüber hinaus können verbleibende Co-Extraktstoffe in der LC-MS/MS- oder GC-MS/MS-Analyse ausgeprägte Matrixeffekte verursachen.
Zur Beherrschung dieser Herausforderungen sind eine angepasste Probenaufbereitung und Probenaufreinigung sowie in der Regel eine matrixangepasste Kalibrierung erforderlich. Insbesondere lipophile Wirkstoffe verteilen sich bevorzugt in den Fettanteilen der Matrix. Da für die Analytik möglichst viele Lipide entfernt werden müssen, besteht die Gefahr, dass gleichzeitig auch Analyten teilweise verloren gehen. Verbleibende Lipide und andere Co-Extraktstoffe können zudem die Messsignale beeinflussen und damit die Genauigkeit der Quantifizierung beeinträchtigen.
Ergebnisse der Multimethode
Gerade bei den sehr lipophilen Wirkstoffen Bifenthrin und Lufenuron zeigten sich Probleme in der Analytik. Das Pyrethroid Bifenthrin wurde von einigen Laboren nicht nachgewiesen, obwohl der Wirkstoff im angegebenen Untersuchungsspektrum enthalten war. Auch bei Lufenuron wurden vereinzelt Falsch-Negativ-Befunde beobachtet. Der größere Anteil der Fehler bei Lufenuron entfiel jedoch auf Quantifizierungsfehler, überwiegend in Form von Unterbefunden (Wiederfindung < 70 %).
Auch Wirkstoffe wie Diazinon oder Procymidon erwiesen sich in dieser Matrix als herausfordernd, was sich in einer erhöhten Anzahl von Quantifizierungsfehlern zeigte. Tendenziell gab es mehr Quantifizierungsfehler in den niedrigen dotierten Konzentrationsbereichen zwischen 0,03 und 0,06 mg/kg. Die mäßig lipophilen Wirkstoffe Carbaryl und Boscalid bereiteten den teilnehmenden Laboren kaum Schwierigkeiten. Die Ergebnisse verdeutlichen die besondere Bedeutung einer Matrixvalidierung und geeigneter Kompensationsmaßnahmen für Matrixeffekte bei fettreichen Matrices wie Avocado.
Die Einzelmethode Fosetyl/Phosphonsäure
Die aktuelle Rückstandsdefinition für die Überwachung von Phosphonsäure lautet Phosphonsäure und ihre Salze, ausgedrückt als Phosphonsäure
ohne Berücksichtigung von Fosetyl. Da Pflanzenschutzmittel mit dem Wirkstoff Fosetyl-Al insbesondere in Drittländern eingesetzt werden, wurde im Rahmen des Laborkompetenztests gezielt Fosetyl-Al dotiert. Zur Bewertung der analytischen Qualität der Phosphonsäurebestimmung wurden sowohl die Messwerte für Fosetyl als auch für Phosphonsäure erhoben und in Fosetyl-Al umgerechnet. Auf dieser Grundlage konnte eine quantitative Bewertung erfolgen.
Auch bei dieser Aufgabenstellung zeigte sich ein erhöhter Anteil an Quantifizierungsfehlern. Die analytische Herausforderung lag dabei weniger in der fettreichen Matrix als vielmehr in den besonderen Eigenschaften des Wirkstoffs. Aufgrund der hohen Polarität von Fosetyl und insbesondere seines Abbauprodukts Phosphonsäure stellen sich erhöhte Anforderungen an Extraktion, Wiederfindung und Quantifizierung.